Rassismus im Urlaub. Wenn deutsche Nazis Urlaub in Australien machen.

Es ist 1994, 4 Jahre nach der Wende. Unsere Brüder und Schwestern aus der Ex-DDR durften endlich auch reisen. Oder leider? Nun ja, lest selbst.

Da trifft man so ’ne und so ’ne. Lustiges und Abstoßendes. (Es versteht sich von selbst, dass Rassisten und Neonazis nicht ausschließlich aus den neuen Bundesländern kommen, aber in dem Fall war’s am Sächseln unschwer zu erkennen)

Eine junge Dame aus Görlitz, mit der uns später eine langjährige Freundschaft verband, meinte angesichts des Schildes „NSW“ beim Passieren der Grenze nach New South Wales: „Endlich komme ich da auch mal hin!“

Auf meine Nachfrage antwortete sie lachend: „NSW hieß bei uns Nicht-Sozialistische-Wirtschaftsgebiete“

Auch die Schilder an den Tankstellen LPG für Liquid Pressure Gas sorgte für Heiterkeit. Das waren die netten Begegnungen mit den Neubundesbürgern während dieses 6-wöchigen Trips durch Australien.

Weniger lustig war es in einem Motel in Alice Springs. Abends noch kurz in den Pool, in dem sich eine Gruppe junger kahlgeschorener Sachsen befand. Am Beckenrand hing dieses Schild:

Einer der Herrenmenschen sagte – in der irrigen Annahme, außer ihm verstünde niemand deutsch – zu seinem Volksgenossen: „Ei gugge mal, NO ANIMALS. Das bedeutet , dass hier keine Aborigines in den Pool dürfen.“

„Haha, gröhl. Enriko, der war geil.“

Es war einer der Momente, in denen ich den Fall der Mauer zutiefst bedauerte. Nur die junge Dame aus Görlitz hielt noch meinen Glauben an die Menschheit aufrecht.

Das war 1994, wie erwähnt. Und heute sitzen diese Leute vielleicht für die AfD im Bundestag, who knows?

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